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Laudatio auf Hans-Hermann Bison von Sepp Aschenbach

Aschenbach Laudatio von Sepp Aschenbach, stellvertretender Vorsitzender des Vereins für Heimatpflege Land Dinslaken e.V., auf Hans-Hermann Bison anlässlich der Verleihung des „Dinslakener Pfennigs“ am 19.Mai 2011 im Weinlokal „Zur Adler Apotheke“ in Dinslaken, Duisburger Straße

Lieber Herr Bison, liebe Frau Bison, meine sehr verehrten Damen und Herren,

der Verein für Heimatpflege Land Dinslaken, so steht es in der Einladung, möchte Ihnen heute, Herr Bison, den „Dinslakener Pfennig“ überreichen. Doch bevor ich näher auf die Persönlichkeit des Preisträgers und auf seine Verdienste eingehe, einige Worte zum „Dinslakener Pfennig“.

Mit dem „Dinslakener Pfennig“ zeichnet der Verein Land Dinslaken seit 1990 Personen aus, die sich um die Heimatpflege verdient gemacht haben. Der „Dinslakener Pfennig“ erinnert an eine Zeit, die für das Land Dinslaken bedeutsam war, in der unsere Region offizielle „Land Dinslaken“ genannt wurde. Etwa 30 Jahre lang, von 1370 bis 1400, hatte die Dinslakener Bürgerschaft das Recht, Münzen zu prägen. Es war ihr verliehen durch den Grafen Dietrich von der Mark. Abgesehen von dem Notgeld des 1. Weltkrieges und dem Papiergeld der Inflationszeit hat es ein solches Recht nie wieder gegeben.

Das Münzrecht unterstrich die Bedeutung der Stadt und der Region. Der ursprüngliche „Dinslakener Pfennig“ trägt auf der einen Seite das Bild des Grafen Dietrich von der Mark, auf der anderen Seite das Dinslakener Wappen, das dem heutigen schon sehr ähnlich sieht. Ralf Althoff hat die Münze in seinem Buch über Münzen in der Herrschaft Dinslaken beschrieben. Soweit zum „Dinslakener Pfennig“.

Lieber Herr Bison, der „Dinslakener Pfennig“, den wir Ihnen heute überreichen, ist eine Nachbildung des „Dinslakener Pfennigs“ vom Ende des 14. Jahrhunderts. Er soll Zeichen des Dankes sein, Würdigung für viele Jahre heimatkundlicher Arbeit im Land Dinslaken.

Sie, Herr Bison, wurden im November 1930, zur Zeit der Weimarer Republik, als ältester Sohn der Familie hier mitten im Land Dinslaken geboren, an der Friedhofstraße, der heutigen Dr. Otto-Seidel-Straße. Während Ihr jüngerer Bruder vor allem musikalische Interessen entwickelte, zeigte sich bei Ihnen schon früh ein starkes Interesse an der Geschichte, auch wenn Sie beide dasselbe Fach, die Volkswirtschaftslehre, studierten.

Ich stelle mir vor wie Hans Hermann Bison schon als Schüler die Ereignisse in unserer Stadt aufmerksam beobachtete, wie er den Alten aufmerksam zuhörte, und so bei ihm das Verständnis für Geschichte wach wurde. Aufgewachsen sind Sie in einer turbulenten, aufregenden Zeit in unserem Land. 1933 - die Machtergreifung der Nazis. Sie waren drei Jahre alt. Auch in Dinslaken änderte sich manches.

Seit 1938 gab es auch in Dinslaken die Deutsche Volksschule, die Hermann-Göring-Schule an der Gartenstraße. Eine gleichgeschaltete Schule im neuen Geist. Vor einiger Zeit habe ich eine Fibel für das 1. und 2. Schuljahr aus dem Jahre 1938 durchgeblättert. In ihr finden wir kleine Lesestücke über den Führer und die Partei, Gedichte und Lieder über die SA.

Als Achtjähriger haben Sie den Brand der Dinslakener Synagoge, die Zerstörung und Plünderung jüdischer Häuser erlebt. Und sicher haben Sie auch – wenn auch hinter vorgehaltener Hand - von der Deportation jüdischer Bürger erfahren. Eindrücklich war mir Ihr Bericht von dem Sturm der SA auf das Haus der Familie Spiegel an der Walsumer Straße im November 38. Eine Sammlung wertvoller Zigarren, die sich der Hausherr zugelegt hatte, wurde samt Mobiliar durch das Fenster auf die Straße geworfen, die Zigarren von Stiefeln der SA Leute achtlos zertrampelt.

Die Walsumer Straße lag in der Nähe Ihres Elternhauses. Sie waren damals Augenzeuge. Und vielleicht haben Sie sich damals schon, wie wir heute, gefragt: Woher kommt dieser Hass, der sich auf solch’ ignorante und primitive Weise austobte? Sie erinnern sich an die Menge, die vor der brennenden Synagoge stand und zuschaute, an den Brand des Tahra-Hauses auf dem jüdischen Friedhof am Abend des 10. Novembers 1938.

Aber auch andere Ereignisse aus dem alten Dinslaken haben Sie in Ihrem Gedächtnis aufbewahrt: So erzählten Sie mir einmal vom „Lotsen“, dem Hengst der bei Freesmann in Eppinghoven stationiert war. Zum Beschlagen wurde er zur Schmiede in die Brückstraße geführt. Durch seine Tritte wackelten die Gläser im Schrank der Großeltern.

Von der Friedhofstraße war es dann, als Sie zehn Jahre alt waren, kein weiter Weg zum Städtischen Gymnasium für Jungen, dem heutigen THG. Manches können Sie berichten über die Entstehung des Gymnasiums, von seinem Ausbau und seiner Struktur. Ja, und auch von seinen Lehrern. Ich denke an Studienrat Gerhard Nordsieck aus Eppinghoven, der Sie unterrichtete, den ich erst später kennen lernte.

Sie waren wohl in der Sexta, als 1939 der Krieg begann. In der NS- und Kriegszeit haben Sie vieles aufmerksam beobachtet. Als Zeitzeuge können Sie uns Jüngeren davon berichten: Von Nazigrößen, die plötzlich mächtig wurden; von Bürgern dieser Stadt, die sich mit dem System arrangierten, und von solchen, die darunter litten; von Bombenangriffen auf diese Stadt, denen auch Ihr Elternhaus zum Opfer fiel. Und dann von den Anfängen nach dem Krieg in einer zerbombten Stadt.

Von Kind an hatten sie durch Ihre Familie eine Bindung an Ihre Pfarrgemeinde St. Vincentius. Und so lag es nahe, dass Sie sich nach dem Krieg – mit 15 Jahren - dem katholischen Schüler- Bund Neudeutschland anschlossen. Sicher eine prägende Zeit für Sie. Noch immer haben Sie Kontakt zu den ND-Freunden aus der damaligen Zeit. Regelmäßig treffen Sie sich.

Der Bund Neudeutschland, gegründet nach dem 1. Weltkrieg, beeinflusst durch die Jugendbewegung der 20er Jahre, suchte nach einer geistig – geistlichen Erneuerung aus dem Geist des Evangeliums. In der Nazizeit verboten, wurde er nach dem 2. Weltkrieg neu belebt. Er hat viele katholische Schüler in ihrer ethischen Entwicklung, heute würde man sagen in ihrer Werteorientierung, geprägt. - „Neue Lebensgestaltung in Christus“, war das Motto.

Ich erinnere mich an meine Mitschüler in Bocholt, die zu Bund ND gehörten, die man am sechseckigen Abzeichen mit dem Chi- Rho erkannte. Hier in Dinslaken gab es am Gymnasium eine bedeutende Arbeit des ND. Nicht umsonst entstand ein Jugendzentrum, das sich noch heute ND- Zentrum nennt, auch wenn kaum jemand weiß, wofür ND steht.

Das Studium führte Sie dann nach Bonn, in die Stadt, für die Sie heute noch schwärmen. Damals, zu Beginn Ihres Studiums war diese Stadt gerade Regierungssitz geworden. Sie haben erlebt, wie diese Stadt, bestehend aus vielen Dörfern – Kessenich, Endenich, Poppelsdorf, u.a. – sich zur Hauptstadt entwickelte. Noch heute haben Sie Freunde in Bonn und es gab bei Ihnen und Ihrer Frau Überlegungen, nach der Pensionierung dorthin zu ziehen.

Doch die Argumente für Dinslaken, seit 1975 ebenfalls mit 400 Metern am Rhein gelegen, waren stärker. Nach Abschluss Ihres Studiums folgte Ihre Heirat. Ihre Frau, geboren in Schlesien, wurde nach und nach heimisch in Dinslaken. Sie arbeiten bis zur Pensionierung bei Thyssen Stahl und standen dort in verantwortlicher Position. Auch von der Konzerngeschichte, den leitenden Mitarbeitern und Vorständen wissen Sie vieles zu erzählen: von Dr. Sohl, Prof. Cordes und Dr. Zimmermann.

Ihre drei Töchter wurden geboren, nach dem Erwerb des Hauses an der Wilhelm Lantermann-Straße hatten sie einen Schulweg gerade über die Straße zum EBG.

Sie, Herr Bison, interessierten sich auch in Ihrer aktiven beruflichen Zeit für die Geschichte der Stadt, des Landes Dinslaken, und des Herzogtums Kleve. Ich glaube, Sie können die Klever Grafen und Herzöge der Reihe nach aufzählen, mit wichtigen Fakten aus ihren Regierungszeiten.

So lag es nahe, dass Sie sich nach Ihrer Pensionierung der Heimatgeschichte und der Heimatpflege zuwandten. Ihre Mitgliedschaft und Ihr Engagement im Verein Land Dinslaken können wir nur als Glücksfall bezeichnen. Wir dürfen teilhaben an Ihrem breiten historischen Wissen und Ihren immer neuen Ideen. Ihre Erfahrung, aber auch Ihr Organisationstalent – bewährt bei der Thyssen AG - haben Sie in unseren Verein eingebracht und auch in Ihre Pfarrgemeinde. So haben Sie das Archiv der Pfarrgemeinde St. Vincentius gemeinsam mit Frau Otte neu geordnet. Was ein gut geordnetes Archiv bedeutet, kann ich ermessen, da ich die letzten Jahre im Archiv unserer Gemeinde unterwegs war. In St. Vincentius haben Sie Kirchenführungen angeboten, historisch bedeutsame Urkunden und Paramente sind dort in einer kleinen Schatzkammer zu sehen.

Ab 1989 waren Sie dann Geschäftsführer unseres Vereins. Als solcher waren sie unermüdlicher Ideengeber und Motor für eine Reihe heimatkundlicher und heimatpflegerischer Projekte: Der größte Brocken war da sicher die Rotbach-Route. In Gemeinschaft mit dem Vorsitzenden, Artur Benninghoff, haben Sie die Route geplant und ausgearbeitet. Eine Fülle von Schreiben, Verhandlungen, Genehmigungen waren erforderlich bis endlich die Schilder aufgestellt werden konnten. Die Texte des Kartensets stammen aus Ihrer Feder. Bis zum heutigen Tag begleiten Sie dieses Projekt.

Ich erinnere mich an den Herbsttag, an dem die neue Lippefähre, der Quertreiber, in Welmen zu Wasser gelassen wurde. Bei der ersten Probefahrt mussten die Vorstandsmitglieder mit vereinten Kräften erst einmal die Fahrrinne von Baumstämmen und Ästen befreit.

Beeindruckend war dann für mich der Gang mit Ihnen über den Parkfriedhof an der B 8. Für mich eine neue Erfahrung, dass die Grabsteine historischer Persönlichkeiten, besondere Gräber und Gräberfelder Stadtgeschichte erzählen. Kurz darauf dann der Vortrag in der VHS über die Geschichte der Dinslakener Friedhöfe. Eine Fülle von Bildern, Karten und Schilderungen machten den Vortrag lebendig. Im Sammelband des Vereins, der im Herbst dieses Jahres erscheint, wird dieser Vortrag für alle nachzulesen sein.

2001 dann das große Entenrennen, unvergesslich und unwiederholbar. Ein großes Unternehmen, das viel Zeit und Kraft kostete. Tausend Sachen mussten bedacht und koordiniert werden. Die Veranstaltung fand Beachtung im Land Dinslaken und darüber hinaus. Presse und Regionalfernsehen berichteten. Immer wieder erreichen uns Anfragen, wie das Rennen organisiert wurde. Vor dem zeitlichen, organisatorischen und kräftemäßigen Aufwand sind bisher aber alle, die nachfragten, zurückgeschreckt.

Und dann haben Sie die Herausgabe von 10 Bänden der Buchreihe unseres Vereins begleitet. Dankbar bin ich Ihnen für manche Information beim Verfassen meines Buches über den jüdischen Friedhof. Durch Ihre Erzählungen über erlebte Ereignisse, durch Pläne und Bilder erfuhr ich vom Leben jüdischer Familien und auch von dem, was nach 1933 und dann am 10. November 1938 in Dinslaken geschah.

Unermüdlich dann Ihr Einsatz, und unerschöpflich Ihre Ideen bei der Entstehung des Buches „Straßen in Dinslaken“. Sie haben nicht nur viele Texte über die Straßen der Innenstadt geschrieben. Sie haben zunächst einmal ein Autorenteam zusammengerufen. Und immer wieder hatten Sie neue Ideen: Karten aus dem Vermessungsamt, Bilder von den Stadtwerken, Farbtafeln im Mittelteil, eine eingelegte Karte im Schluss. Ich habe in meinen Kalendern nachgezählt: In etwa drei Jahren hat das Autorenteam 32-mal getagt – immer auf Einladung von Herrn Bison – versehen mit Protokollen über den neuesten Stand. Ich selber habe bei dieser Arbeit ganz viel über Dinslaken und seine Geschichte gelernt, der Stadt, in der ich als westfälischer Gastarbeiter gearbeitet habe. In Erinnerung bleibt mir die Nacht im Juli 2008, in der wir in Ihrem Hause zu zweit die Endredaktion des Buches vorgenommen haben. Es war nach zwei Uhr nachts als wir uns verabschiedeten.

Bei der Arbeit an beiden Büchern – so darf ich sagen – haben wir uns näher kennen gelernt. Ich denke an unsere Autofahrten zu jüdischen Friedhöfen in der Umgebung. Durch unsere Gespräche ist Verstehen und Vertrauen gewachsen. Dafür danke ich Ihnen.

Am 14. Juli 2011 werden wir gemeinsam das 100 jährige Jubiläum des Vereins feiern. Beim Treffen des Vorstandes am 18.Januar 2011 im Gründungslokal „Lettgen“, heute Sorbas, auf der Duisburger Straße haben Sie uns etwas erzählt über die Historie des Vereins, der 1911 als „Dinslakener Verkehrs- und Verschönerungsverein“ gegründet wurde. Sie haben erzählt von den Gründervätern, die damals für unsere Stadt etwas tun wollten. Immer wieder sind von diesem Verein – zu dem heute 10 einzelnen Heimatvereine und Vereinigungen mit vergleichbarer Zielsetzung gehören - Impulse ausgegangen.

Betroffen waren wir, im vergangenen Jahr von Ihrer Erkrankung zu erfahren, - es war kurz vor Ihrem 80. Geburtstag. Umso mehr freuen wir uns, dass Sie die Operation gut überstanden haben, und es Ihnen gut geht. Dankbar sind wir, dass uns Ihre Ideen und Ihre Erinnerung, Ihre Erfahrung und Ihr Organisationstalent, verbunden mit einem Schuss Humor, immer wieder auf die Spur bringt.

Ich habe versucht, darzustellen, was Sie in vielen Jahren für die Heimatpflege im Land Dinslaken geleistet haben. Ihr Name ist mit dem Verein verbunden wie die Namen Sierp, Dittgen oder Nottebohm. Der „Dinslakener Pfennig“, der Ihnen heute verliehen wird, ist Würdigung für dies langjährige, unermüdliche und ideenreiche Engagement, Zeichen unseres Dankes an jemanden, der sich um die Heimatpflege im Land Dinslaken verdient gemacht hat.

Dank aber gebührt auch Ihnen, - und das soll nicht vergessen sein - liebe Frau Bison. Sie haben das Engagement Ihres Mannes über viele Jahre mitgetragen – manchmal auch ertragen. Am Ende manchen Projektes waren Sie froh, dass alles abgeschlossen war - und Ihr Mann wieder ganz Ehemann, Vater und Großvaters sein konnte.

Wir danken Ihnen, liebe Frau Bison, für alles Verständnis alles Mittragen und Begleiten. Aber vielleicht ist es auch so, dass Sie durch das heimatkundliche Interesse ihres Mannes in Dinslaken heimisch geworden sind, dass Sie sich im Kreise von Freunden und Weggefährten, in der Gemeinschaft von St. Vincentius zu Hause fühlen.

Lieber Herr Bison, ich komme zum Schluss. Mit der Würdigung Ihrer Verdienste, mit unserem Dank an Sie verbinden wir den Wunsch und die Hoffnung, dass uns Ihr Rat und ihr Wissen, Ihr Engagement und Ihr gutes Wort noch lange erhalten bleiben.

Im Anschluss an die Laudatio verlas der 1. Vorsitzende Dr. Thomas Becker der nachfolgenden Text der Verleihungsurkunde:

Der Verein für Heimatpflege Land Dinslaken e.V. verleiht

Hans-Hermann Bison den „Dinslakener Pfennig“.

Diese Auszeichnung erfolgt in Würdigung der außergewöhnlich großen Verdienste, die sich Hans-Hermann Bison in den vielen Jahren seiner ehrenamtlichen heimatkundlichen Arbeit erworben hat. Er wirkte lange Jahre als Geschäftsführer und bis heute als Beisitzer im Vorstand unseres Vereins. Hans-Hermann Bison ist ein heraus¬ra¬gender Experte der Dinslakener Stadthistorie, insbesondere besitzt er ein breites Wissen über die Geschichte einflussreicher Dinslakener Familien. So ist es wesentlich ihm zu verdanken, dass die Erinnerung an einen der bedeutendsten Bürger Dinslakens, Friedrich Althoff, nicht verloren gegangen ist. Hans-Hermann Bison ist ferner Initiator und teilweise Mitautor zahlreicher Buchprojekte unseres Vereins. Er hat sich um die Bewahrung der Geschichte im Land Dinslaken in vielfältiger und hervorragender Weise verdient gemacht.

Dinslaken, den 19. Mai 2011
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